Wie gefährlich sind Zecken wirklich?

Jeder kennt sie, keiner mag sie, die meisten hatten schon eine: Zecken sind gerade jetzt, im Frühsommer, ein großes Thema. Wie gefährlich sind Zecken wirklich?

Viele Leute reagieren regelrecht hysterisch auf das Thema Zecken. Ich kenne Menschen, die gehen im Moment gar nicht mehr raus! Dabei ist die Zecke selbst bekanntermaßen ja gar nicht gefährlich, sondern höchstens etwas unangenehm. Das Problem ist, dass sie Krankheiten übertragen kann.

Wenn du viel draußen bist, solltest Du das Zecken-Risiko richtig einschätzen können und wissen, wann es wirklich gefährlich wird. Dazu habe ich dir in diesem Artikel mal die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

 

Wie verhalten sich Zecken?

Zecken werden ab 7°C aktiv. Sie sitzen in Gräsern und Gebüsch und warten, bis ein Opfer vorbei kommt.

Das Opfer heißt Mensch oder Tier und streift die Zecke im Vorbeigehen ab. Die Zecke packt mit ihren Fangarmen zu, und während du noch ahnungslos durch die schöne Natur läufst, sucht sie sich ein Plätzchen, um möglichst einfach an dein Blut zu kommen. Dazu krabbelt sie – manchmal stundenlang – auf deinem Körper herum, bis sie eine weiche Hautstelle gefunden hat. Dort schneidet sie sich durch die Haut und gräbt sich ins Gewebe. Das typische Bild sieht dann so aus: Die Zecke „steckt“ kopfüber im Arm oder Bein oder auch an sehr unangenehmen Stellen. Mit ihren kräftigen Klauen hält sie sich gut fest, so dass du sie nicht einfach abreiben kannst.

Ersticken kann die Zecke in dieser Position übrigens nicht, denn ihre Atemöffnungen befinden sich hinter dem letzten Beinpaar (die Zecke hat 8 Beine, weil sie zu den Spinnentieren gehört). Eine Zecke kann bis zu 15 Tagen an ihrem Wirt hängen, und sich dabei so vollsaugen, dass sie ein Vielfaches ihres Körpervolumens erreicht. Wenn sie richtig satt ist, kann sie bis zu zehn Jahren (im Labor) ohne weitere Nahrung auskommen!

 

Wann ist eine Zecke gefährlich?

Der Biss und das Blutsaugen der Zecke sind erst mal nicht gefährlich. Oftmals merkst du es gar nicht, weil die Zecke mit ihrem Speichel ein Betäubungsmittel abgibt.

Über den Speichel können aber auch Krankheitserreger in deinen Körper gelangen. Und dann kann es gefährlich werden. Es gibt eine Vielzahl an Krankheiten, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden können. Viele Erreger kommen nur sehr selten vor, aber es gibt zwei Hauptkrankheiten: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose.

 

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

FSME wird durch den gleichnamigen Virus ausgelöst und kann im Extremfall zu einer Entzündung der Hirnhaut, des Gehirns oder des Rückenmarks führen und dabei tödlich enden. Die Viren befinden sich im Speichel der Zecke und werden in der Regel gleich zu Beginn des Stichs übertragen. Eine Infektionsgefahr besteht allerdings nur in Gebieten, in denen Zecken mit dem FSME-Virus infiziert sind.

Hierzu gibt es Übersichtskarten:

Deutschland

Europa

Man nimmt an, dass in den Risikogebieten ca. 2% der Zecken den Virus in sich tragen. Nicht jede Infektion führt auch zwangsweise zu einer Erkrankung: Nur jeder Dritte, der von einer infizierten Zecke gebissen wurde, entwickelt die für FSME typischen Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. 2016 wurden in Deutschland 344 FSME-Fälle gemeldet. Die Wahrscheinlichkeit, an FSME zu erkranken, ist ausgesprochen gering.

Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du übereine FSME-Impfung nachdenken. Bei dieser Impfung werden abgetötete FSME-Viren in den Körper injiziert, der daraufhin Antikörper bildet. Somit ist er zukünftig gegen die Viren geschützt. Es werden insgesamt drei Impfungen verabreicht: die ersten beiden im Abstand von 1-3 Monaten, die dritte nach 9-12 Monaten. Nach drei Jahren ist eine Auffrischung nötig. Die Impfung ist wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen nicht ganz umunstritten.

 

Lyme-Borreliose

Borreliose ist eine bakterielle Infektion. Die Borrelien (das sind die Bakterien) befinden sich im Darm der Zecke. Nicht jede Zecke ist infiziert. Laut Robert Koch Institut schwankt das Vorkommen von Borrelien in Zecken sehr stark, kann aber bis zu 30% betragen.

Die Borreliose-Bakterien werden beim Zeckenbiss nicht sofort übertragen, sondern brauchen ca. 10-24 Stunden, um in den Wirt einzudringen. Je länger die Zecke saugt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Daher ist es wichtig, Zecken immer möglichst schnell zu entfernen!

Studien zeigen, dass nur bei etwa 5% der Personen, die von einer Zecke gebissen wurden, eine Infektion auftritt. Nicht jeder, der mit Borrelien infiziert ist, wird auch wirklich krank. Oft wehrt sich der Körper erfolgreich gegen die Eindringlinge, und die Infektion verursacht keine weiteren Beschwerden. Krankheitssymptome zeigen letztendlich nur ca. 1% Prozent der Menschen, die von einer infizierten Zecke gestochen worden sind.

Borreliose erkennt man oft an einer sich ausbreitenden Hautrötung rund um die Bissstelle. Diese sogenannte Wanderrötung tritt erst nach einigen Tagen oder gar Wochen auf und wird in der Regel von leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Müdigkeit begleitet. Das Problem ist allerdings, das nicht jedes Borreliose-Opfer eine Wanderrötung entwickelt bzw. diese oft sehr unterschiedlich aussieht. Hießt also, dass die Borreliose-Gefahr eventuell gar nicht erkannt wird.

Da das menschliche Immunsystem eine Borreliose-Infektion nicht aus eigener Kraft heilen kann, muss vom Arzt ein Antibiotikum verabreicht werden. Je früher, desto besser. Wird die Infektion nicht behandelt, kann die Krankheit gefährlich werden und zu starken Nervenschmerzen, Herzproblemen, Gesichtslähmung, Hirnhaut- und Gelenkentzündungen führen.

Gegen Borreliose gibt es derzeit noch keine Impfung.

 

Neoehrlichia

Der Erreger ist erst seit 2010 bekannt. Auch diese Bakterium wird durch Zeckenbisse übertragen. Der Erreger ist zwar selten, aber vor allem deshalb gefährlich, weil er vielen Ärzten unbekannt ist. Zu den Symptome einer Infektion gehören Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, Hautausschlag und Blutarmut. Außerdem werden durch das Bakterium gefährliche Embolien und Venenthrombosen ausgelöst. Bei rechtzeitiger Diagnose kann die Krankheit mit einem Antibiotikum behandelt werden.

 

Wie schützt du dich vor Zecken?

+ Versuche nach Möglichkeit, hohes Gras, Unterholz und Laubstreu zu meiden. Abseits von befestigten Wegen besteht immer eine erhöhte Zeckengefahr.

+ Trage lange, helle Kleidung, auf der du die Zecken siehst.

+ Suche deinen Körper nach Zecken ab, wenn du im Wald, auf einer Wiese oder im Garten warst.

+ Anti-Zeckenspray schützt nicht wirklich. 2008 hat die Stiftung Warentest verschiedene Anti-Zeckenmittel getestet. Zwölf von 20 fielen durch.

+ Wenn du dich in einem FSME-Risikogebiet aufhälst, kann eine FSME-Impfung sinnvoll sein.

+ Schütze dich auch in der Stadt! Zecken werden durch Mäuse, Ratten, Igel oder Vögel in die Stadt gebracht und leben dort in hohem Gras und Gestrüpp.

 

So entfernst Du eine Zecke

Wenn du eine Zecke gefunden hast, entferne sie so schnell wie möglich. Dazu benutzt du eine spezielle Zeckenzange, Pinzette, Zeckenschlinge oder Zeckenkarte. Du packst die Zecke zwischen Kopf und Körper und ziehst sie einfach raus (nicht drehen, Zecken haben kein Gewinde!). Vermeide es, die Zecke zu zerquetschen, denn dann entleert sich ihr Darminhalt in die Einstichstelle. Wichtig ist, dass die Zecke komplett entfernt wird, und nicht etwa der Kopf noch stecken bleibt. Danach desinfizierst du die Stelle mit Alkohol oder Desinfektionsspray.

Du solltest die Zecke auf keinen Fall mit Öl oder Creme „ersticken“, denn dabei erbricht sie ihren Darminhalt mitsamt der gefährlichen Bakterien in die Wunde.

Beobachte, ob sich in den nächsten Tagen um die Bissstelle eine Rötung ausbreitet.

Wenn du dir nicht zutraust, die Zecke vernünftig zu entfernen, solltest du das vom Arzt machen lassen.

Ein Arztbesuch ist auf jeden Fall notwendig wenn:

+ sich um die Biss-Stelle ein rötlicher Ring (Wanderröte) bildet. Die Rötung kann noch Tage oder Wochen nach dem Biss auftreten!

+ Grippe-ähnliche Symptome auftreten (Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen, Müdigkeit)

+ Reste der Zecke noch in der Wunde stecken

+ sich die Bissstelle entzündet

 

Keine Panik!

Zecken sind unangenehm, aber bei weitem nicht so gefährlich, wie uns oft vermittelt wird. Wenn du dich vernünftig schützt, kannst du das Risiko einer Infektion erheblich senken. Es gibt keinen Grund, bei dem schönen Wetter zu Hause zu bleiben!

Hast du Erfahrungen mit Zeckenbissen gemacht? Wie schützt du dich? Lass es uns wissen!

 

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