Outdoor Erste Hilfe – ein Kurs für die Praxis

Der Typ schreit wie am Spieß. Als wir auf die Feuerstelle zulaufen, sehen wir, dass er allen Grund dazu hat: Sein linker Arm ist großflächig verbrannt. „Scheißeee. Ich brenne! Tut was!“ brüllt er uns an. Verdattert und entsetzt starren wir auf die Szenerie. So lernt man also Outdoor Erste Hilfe.

Natürlich ist die Situation gefaket – genauso wie die Knochenbrüche, Kopfverletzungen und Bauchschmerzen, die in den 4 Seminartagen immer wieder für Adrenalinschübe sorgen. Der Erste Hilfe Kurs der Outdoorschule Süd setzt auf realitätsnahe Situationen und viel Praxis.

 

Outdoor Erste Hilfe kannst Du lernen!

Outdoor Erste Hilfe bedeutet Action: 2-3 Kursteilnehmer werden jeweils zu Ersthelfern erklärt und müssen die Notfälle – die natürlich immer völlig überraschend auftreten – in den Griff kriegen. Was gerade in der Theorie noch so klar und einfach erschien, entpuppt sich im Gelände als eine wahre Herausforderung: Wie kriege ich den Verletzten in die stabile Seitenlage, wenn er am Hang liegt und ständig wegkullert?

 

Langsam, langsam, wir haben es eilig

Durch das Ausprobieren merken wir, was funktioniert (und was nicht) und gewinnen schnell an Sicherheit. Auch wenn die Verbände noch verrutschen und wir im Eifer des Gefechts die Handschuhe vergessen: Wir trauen uns anzupacken. Blut? Her mit dem Verbandszeug! Aber stopp! Was hat der Verletzte wirklich? Und können wir an ihn ran, ohne uns selbst zu gefährden?

Langsam, langsam, ist die Devise, nichts überstürzen, erst mal einen Überblick verschaffen, Aufgaben verteilen, herausfinden, was wirklich los ist. Zu schnell lassen wir uns täuschen: Okay, die Wunde blutet. Aber wie sieht’s mit inneren Verletzungen aus? Die können unter Umständen viel gravierender sein und andere Maßnahmen erfordern.

Gib ihm die Chance, im Rollstuhl zu sitzen

Bei einigen Übungen in der Outdoor Erste Hilfe geht’s hoch her. Sobald man am Verletzten ist, wird die Sache ernst. Das Gehirn unterscheidet nicht mehr zwischen Spiel und Realität. Man IST in der Situation – auch emotional! Was uns in Notfällen oft am Handeln hindert, ist die Befürchtung, die Dinge noch schlimmer zu machen. Was ist, wenn der Verletzte eine Wirbelsäulenverletzung hat, ich ihn aber in die Seitenlage drehen muss? Das hat wahrscheinlich zur Folge, dass der Betroffen zukünftig im Rollstuhl sitzen wird. Natürlich hat eine lebensrettende Maßnahme immer Vorrang, aber was für eine Entscheidung, die ich in dem Moment treffen muss!

 

Sicher unterwegs: Was Du tun kannst

Unfälle lassen sich leider nicht komplett ausschließen. Aber durch eine gute Vorbereitung kannst Du einige Gefahrenquellen schon im Vorfeld erkennen, Dich entsprechend darauf einstellen und damit das Risiko von Unfällen und Verletzungen reduzieren. Meine persönlichen Tipps:

Bereite Dich immer sorgfältig auf Deine Tour vor. Das gilt vor allem für die Tourenplanung, Ausrüstung und körperliche und mentale Fitness.

>>> siehe auch meinen Beitrag Ist alleine wandern gefährlich?

 

Outdoor Erste Hilfe lernen

Zu Deiner Vorbereitung gehören auf jeden Fall Kenntnisse im Bereich Outdoor Erste Hilfe. Die Outdoorschule Süd bietet regelmäßig an verschiedenen Standorten in Deutschland (Mölln, Schwarzwald, Nürnberg) Erste-Hilfe-Kurse an. Der Basis-Kurs dauert 4 Tage und geht speziell auf Situationen ein, die Dir draußen widerfahren können, zum Beispiel Stürze, Verbrennungen, Unterkühlung. Du bekommst ein klares Handlungsschema, nach dem Du im Notfall vorgehen kannst. Neben der Theorie gibt es viele Praxisübungen und „Notfälle“, bei denen Du Einsatz zeigen musst. Abends ist dann Entspannung am Lagerfeuer angesagt.

Die Outdoorschule Süd hat auch ein super Buch zum Thema Erste Hilfe Outdoor rausgebracht, mit dem sich das Gelernte wiederholen und vertiefen lässt.

Auf den eigenen Körper hören

Deine Muskeln schmerzen, die Gelenke auch. An Deinem linken Fuß bahnt sich eine Blase an. Aber Du hast keine Lust, jetzt anzuhalten, um den Fuß zu verarzten. Grimmig entschlossen läufst Du weiter und versuchst die schmerzenden Knie und die Ferse zu ignorieren. Dein Gang wird unsicher und verkrampft, Du rutschst ein paar Mal weg. Am Abend hat sich die Blase an Deiner Ferse in eine blutende Wunde verwandelt, die Dich in den nächsten Tagen quälen wird.

Lass es gar nicht erst soweit kommen!

Schmerzen bedeuten Überlastung. Nimm die Warnung ernst! Spüre immer wieder in Deinen Körper hinein und versuche zu erkennen, wo sich ein Problem anbahnt. Kümmer Dich auch um scheinbar kleine „Wehwehchen“, wie zum Beispiel gerötete Stellen am Fuß, die sich zu Blasen entwickeln können.

Bei Schmerzen versucht Dein Körper die betroffene Stelle zu schonen. Dabei verändern sich Deine natürliche Haltung und Dein Gang. Deine Bewegung wird unsicher. Schmerzen erhöhen das Risiko, dass Du strauchelst, ausrutschst, stürzt und Dir dabei Verletzungen zuziehst.

 

Pause machen

Müde stolperst Du den Berg hinunter, die Hütte schon in Sichtweite und – baaaaff! Da liegst Du! Viele Unfälle passieren auf den letzten Metern, wenn Kraft und Konzentration nachlassen.

Mach regelmäßig Pausen. Dein Körper braucht sie, um sich zu erholen und zu entspannen. Versuche Deine Muskeln zu lockern, massiere die Gelenke und sorge für einen guten Energiehaushalt. Soll heißen: genug essen und trinken. Für eine Tagestour in gemäßigten Breitengraden brauchst Du mindestens 1,5 l Wasser. Bei Hitze und extremer Anstrengung entsprechend mehr. Im hiking-blog gibt es einen schönen Post zum Thema Trinken beim Wandern.

Trainieren

Dein Körper ist die Belastung nicht gewöhnt. Mach ihn fit für das, was kommt. Ausdauertraining, Muskelaufbau, Dehnübungen – wenn Du wenig Sport machst, kann ein gezieltes Training unter professioneller Anleitung sinnvoll sein. Bau das Wandern in Deinen Alltag ein: Geh zu Fuß zur Arbeit und mit Rucksack einkaufen, nutze Deine freie Zeit für Wanderungen (am besten mit Gepäck), steiger Deine Leistung langsam aber stetig.

Neben dem körperlichen Training trägt auch die mentale Vorbereitung zum Erfolg Deiner Tour bei.

>> siehe auch meinen Beitrag Wie Du Dich mental auf eine Solo-Tour vorbereiten kannst.

 

Gegen Sonne, Regen, Wind und Kälte schützen

Folgende Dinge gehören einfach IMMER in Deinen Rucksack: Kopfbedeckung, Sonnencreme, mindestens 1,5 l Wasser, ein warmer Pulli, eine wind- und regendichte Jacke und Hose, gegebenenfalls Mütze und Handschuhe.

Auch im Süden kann es Wetterstürze geben und richtig kalt werden! Und auch in kühleren Gefilden kannst Du Dir einen Sonnenstich holen.

Besonders in den Bergen bist Du einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Und selbst in Island und Lappland ist die Sonne intensiver als bei uns, weil die Luft sehr klar ist. Ein Sonnenstich macht sich manchmal erst Stunden später bemerkbar (Kopfscherzen, Schwindel, Übelkeit). Schütze Dich also frühzeitig.

Ein Wetterumschwung mit Regen, Wind und Kälte kann lebensbedrohlich werden, wenn Du keine warmen, wind- und wasserdichten Klamotten dabei hast. Todesfälle infolge eines Wetterumschwungs kommen – gerade im Gebirge – immer wieder vor. Besonders die Auswirkung des Windchills wird oft unterschätzt: Er senkt die gefühlte Temperatur erheblich. Hier kannst Du das mal ausrechnen.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit (und wird doch so oft „vergessen“): Check vor jeder Tour den Wetterbericht. Hier ein sehr guter und ausführlicher Beitrag zum Thema Bergwetter.

 

Sich über das Zielgebiet informieren

Wo bist Du unterwegs? Was für eine Infrastruktur (Hütten, Notruftelefone) gibt es? Wie weit bist Du von Siedlungen und Straßen entfernt? Gibt es Handyempfang? Wie ist die Notrufnummer? Für die Mitgliedsstaaten der EU ist es die 112. In manchen Ländern, wie zum Beispiel Italien, gibt es aber mehrere Nummern. Informiere Dich über die Notrufnummer in Deinem Land. Den Notruf setzt Du in der jeweiligen Landessprache oder in Englisch ab.

Sei Dir immer über Deine aktuelle Position im Klaren. Nutze Landkarte, Wegweiser, landschaftliche Merkmale und die GPS-Funktion Deines Handys, um im Notfall möglichst genaue Angaben zu Deinem Standort machen zu können. Es gibt Notfall-Apps, die schnell und einfach zu bedienen sind und neben dem Notruf auch Deine Position übermitteln. Ich selbst habe die echo112 auf dem Handy. Notruf und Übertragung der GPS-Daten funktioniert natürlich nur, wenn Du Handyempfang hast. Verlass Dich also nie ausschließlich auf die Technik!

 

Ausrüstung für den Notfall

Ein Erste-Hilfe-Set gehört IMMER in Deinen Rucksack. Leider taugt nicht jedes Set für den Ernstfall. Die Outdoorschule Süd hat zusammen mit der Firma Tatonka ein Set entwickelt, das gut durchdacht und mit hochwertigem Material ausgestattet ist. Das Erste-Hilfe-Set gibt es in mehreren Größen: das kleinere Complete
und das große Advanced.

Biwaksack: Wenn ich ohne Zelt unterwegs, nehme ich einen Biwaksack zum Schutz gegen Regen und Wind mit. Außerdem eine Rettungsdecke – falls die nicht eh schon im Erste-Hilfe-Set enthalten ist.

Signalmittel: Ich habe immer eine Trillerpfeife und Kopflampe dabei. Damit kann ich über einen langen Zeitraum kontinuierlich das alpine Notsignal geben:

6x pro Minute (blinken oder trillern) – 1 Minute Pause – wieder 6x pro Minute Signale geben – 1 Minute Pause usw.

Pyrotechnische Signalmittel benutze ich nicht. Das Problem ist, dass sie nur kurze Zeit brennen. Danach musst Du andere Wege finden, um auf Dich aufmerksam zu machen.

 

Fazit

Natürlich hoffen wir alle, dass unterwegs nichts passiert. Und normalerweise geht ja auch alles gut. Ich bin – privat und als Reiseleiterin – wirklich viel draußen und habe noch nie einen wirklich lebensbedrohlichen Notfall erlebt (toitoitoi). Dafür aber so Sachen wie umgeknickte Füße, Blasen, Sonnenbrand, Sonnenstich, Schnittverletzungen, Schürfwunden, Verbrennungen, Allergien, Zecken, Unterkühlung. Und dabei hat mit Kurs in Outdoor Erste Hilfe schon viel geholfen.

Hast Du selber draußen schon Notfälle erlebt? Was hast Du getan? Lass es uns wissen!

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