Wie Du beim Wandern Deine Motivation behältst

Auch beim Wandern kann es passieren, dass sich die Motivation auf einmal verabschiedet. Besonders auf langen Strecken, wenn die Kräfte nachlassen, das Wetter schlecht ist und der Weg eintönig erscheint, kommt man schon mal den Punkt, wo die ganze Sache einfach keinen Spaß mehr macht. Im Extremfall bricht man die Tour sogar ab.

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du beim Wandern trotz widriger Umstände die Motivation aufrecht erhalten kannst.


Dazu eine persönliche Geschichte

Es war Oktober, und ich wollte in Schottland auf dem West Highland Way wandern. Die erste Etappe war recht langweilig. Ich ging sie trotzdem hochmotiviert, denn ich freute mich auf das, was vor mir lag. Der zweite Tag war ähnlich. Am dritten Tag kam ich nach Loch Lomond, und endlich wurde die Landschaft spannender. Dummerweise begann es zu regnen. Es regnete den ganzen Tag. Ich versuchte mich damit zu arrangieren, nach dem Motto „Ist halt Schottland“. Die Etappe endete nicht, wie geplant, im nächsten Hostel, denn das hatte schon zu (Saisonende). Es fuhr auch keine Fähre mehr zum nächsten Ort (Saisonende). Ich musste also zurück zum letzten Hostel. Frust kam auf. Den nächsten Tag begann ich als Anhalterin, um weiter hinten wieder auf dem West Highland Way einzusteigen. Es regnete immer noch. Der Weg – mäßig spannend – zog sich. Von Landschaft keine Spur, stattdessen Regen, Nebel, Matsch und Kuhscheiße. Der Wetterbericht für die nächsten drei Tage meldete Sturm und Dauerregen.

Was soll ich sagen …

Ich setzte mich in den Zug und fuhr an die Küste. Und Tschüß!

Andere Wanderer gingen weiter.

Drei Schotten – zwei Männer und eine Frau – waren parallel zu mir unterwegs. Mit dem gleichen Gepäck und dem gleichen Shit-Wetter. Aber mit dem Unterschied, dass sie jeden Tag um die 30 Kilometer machten (ungefähr doppelt so viel, wie ich), und dass sie den Trekk komplett durchzogen. Das waren keine ehrgeizigen oder super toughen Extremsportler. Ganz im Gegenteil: Die waren abends echt fertig: Blasen an den Füßen, Schmerzen in den Knien und verspannte Schultern. Aber sie waren verdammt gut gelaunt.

Ich fragte die drei, warum sie sich diese langen Etappen und überhaupt den ganzen Trekk bei so einem Wetter eigentlich antun.

Die Antwort, ein Wort – und alles war klar: „Charity!“

Für alle, die sich mit den Gepflogenheiten im Vereinigten Königreich nicht auskennen: Wohltätigkeits- oder Charity-Veranstaltungen genießen hier ein enorm hohes Ansehen. Man initiiert ein Event oder erregt durch eine sportliche Leistung Aufmerksamkeit, um Spenden zu sammeln: für einen schwer kranken Freund, ein Familienmitglied in Not, einen Kollegen. Aber manchmal auch für Fremde. Die Aktionen werden meistens privat organisiert und sind sehr ambitioniert. So wurde ich Zeugin eines Charity-Laufes auf dem Coast Path in Cornwall, der über 60 Meilen (knapp 100 km) ging. Schweren Einruck hinterließen auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines 5-tägigen Gewaltmarsches, bei dem an jedem Tag 40 km gewandert oder gelaufen wurden. Das waren alles ganz normale Menschen. Und die meisten hielten tatsächlich durch.

Warum?

Weil das, was sie taten, für sie eine große Bedeutung hatte.

Sie wussten, dass sie mit ihrem Einsatz möglicherweise einem Menschen das Leben retten würden.


Warum machst Du Deine Tour?

Auch ich merke, dass ich viel mehr aushalte, wenn ich eine Gruppe führe. Dann habe ich ein Aufgabe, Verantwortung, eine „Mission“, die mir am Herzen liegt. Alleine und ohne triftigen Grund schmeiße ich die Brocken viel schneller hin. Wie damals, in Schottland, als ich einfach nur mal so den West Highland Way gehen wollte.

Menschen, die einen Sinn in ihrem Tun sehen, handeln entschlossen, kraftvoll, haben Ausdauer und lassen sich nicht so schnell runter kriegen.

Sobald Du für Dich geklärt hast, warum Du das tust, was Du tust, und vom Nutzen Deines Handelns überzeugt bist, hast Du schon gewonnen. Dann brauchst Du auch kein Motivationstraining.

Am wirkungsvollsten ist es, wenn Du nicht nur für Dich wanderst, sondern für andere. Dann geht es um etwas Größeres, und das gibt Dir Kraft.

Wenn Du also demnächst auf Tour gehst, frage ich Dich mal, WARUM Du das machst.

Halte Dir den Sinn und Zweck Deiner Wanderung immer vor Augen. Du wirst merken, dass Du anspruchsvollen Situationen viel gelassener und zuversichtlicher begegnest. Du EMPFINDEST sie gar nicht mehr als Belastung, sondern allenfalls als Herausforderung. Und falls es wirklich tough wird, wirst Du dreimal überlegen, ob Aufgeben eine Option ist.


Ein paar Ideen, wie Deine „Mission“ aussehen könnte


Widme Deine Reise einem lieben Menschen

Gibt es jemanden in Deinem Umfeld, der sich für die Welt interessiert, aber selber nicht (mehr) reisen kann? Viele widmen ihr Buch einer bestimmten Person. Das kann man auch mit einer Wanderung machen.

Bei mir war es meine Oma, die selber leider viel zu spät mit dem Reisen anfing und daher an meinen Abenteuern sehr interessiert war. Nach jeder Reise durfte ich Bericht erstatten. Natürlich mit Fotos.

Triff mit einem Menschen, der Dir nahe steht und selbst nicht reisen kann, die Vereinbarung, dass Du ihm die Welt zeigst. Berichte schon von unterwegs (wenn das geht), denn das hält die Verbindung aufrecht und erinnert Dich daran, dass Dich jemand im Geiste begleitet und Deine Tour miterlebt.


Nimm jemanden mit, der nicht alleine gehen möchte

Kennst Du jemanden, der gerne mal so eine Tour machen möchtest, wie Du sie machst, das aber alleine nicht kann oder sich nicht traut? Nimm ihn mit! Plant die Wanderung gemeinsam und bereitet Euch zusammen darauf vor. Unterwegs werdet Ihr nebenbei viel Zeit haben, Euch auszutauschen und Eure Freundschaft zu vertiefen. Gerade für Kinder kann eine gemeinsame Wanderung über mehrere Tage ein unvergessliches Erlebnis sein.


Mache Deine eigene Charity-Tour

Überleg mal: Für wen oder was kannst Du Geld sammeln? Welcher Mensch braucht gerade Hilfe? Je persönlicher das Verhältnis, desto größer Deine Motivation.

Erzähle Freunden, Kollegen und der Familie von Deinem Vorhaben, Geld für einen speziellen Fall zusammeln. Für jeden Kilometer oder jeden Tag, den Du auf Deiner Wanderung schaffst, spenden diese Leute einen vorher vereinbarten Betrag. Teile Deine Reiseerlebnisse und den aktuellen Spendenstand auf allen Kanälen. Das kann einen richtigen Schneeballeffekt haben.


Berichte von den guten Seiten dieser Welt

Nutze Deine Reise, um Ideen zu verbreiten. Unsere Welt braucht Vorbilder. Finde sie und berichte. Das können Menschen sein, oder Aktionen oder einfach Lösungen für ganz alltägliche Probleme. Am besten gibst Du der Sache ein Thema. So gibt es z.B. in Cornwall die Initiative, Orte plastikfrei zu machen. Was liegt näher, als auf dem Coast Path zu wandern und sich das Projekt einmal genauer anzusehen?

Diese Liste kann man sicherlich endlos fortsetzen.


Mach es mit Begeisterung

Wichtig ist, dass Du Dich für Deine Mission wirklich begeistern kannst.

Wenn Du für eine Sache brennst, dann machst Du sie einfach. Auch dann, wenn Dein Vorhaben anfangs schwierig oder unmöglich erscheint: Du wirst einen Weg finden, egal wie hart und lang der ist.

Begeisterung ist der stärkste Motor, den wir haben!

Begeisterung lässt sich nicht erzwingen. Sie kommt von Herzen. Entweder eine Sache packt Dich – oder sie lässt Dich kalt. Wir alle haben Themen, bei denen wir aufhorchen und die uns emotional berühren. Es macht „klick“, und wir sind auf einmal von einer Idee besessen. Die Sache lässt uns nicht mehr los. Im Extremfallrichten wir unser ganzes Leben danach aus, mit der neuen Aufgabe im Fokus und unendlich viel Energie.

Begeisterung ist der nie erlahmendeImpuls, der uns beharrlich unser Ziel verfolgen lässt. – NormanV. Peale

Und jetzt Du!

Wie sind Deine Erfahrungen: Hast Du mal eine Tour abgebrochen? Was hätte Dich in diesem Fall zum Weitergehen motiviert? Oder hast Du mal eine Wanderung durchgezogen – obwohl Du kurz vor dem Aufgeben warst? Was ist passiert, dass Du weiter gemacht hast? Lass es uns wissen.

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