Trekkingtouren planen

Podcast Walk’n talkNatürlich könnte man einfach drauf los laufen. Schließlich hat man beim Trekking alles dabei, was man braucht, ist unabhängig und kann sich treiben lassen. Theoretisch. Denn spätestens, wenn der Magen knurrt und man weit und breit keinen Laden findet, oder wenn es dunkel wird und die nächste Unterkunft noch etliche Kilometer entfernt ist, wird man einsehen, dass ein bisschen Planung vorab durchaus sinnvoll gewesen wäre.

Eine Trekkingtour zu planen trägt zur Sicherheit bei. Gerade, wenn es die erste Tour ist, solltest du die Zeit investieren. Wie detailliert man in die Planung einer Tour einsteigt, hängt unter anderem vom Ziel ab: Geht es in die Wildnis, muss man natürlich sehr genau überlegen, was man braucht, und wo man im Notfall Hilfe findet. Aber auch bei einer Trekkingtour in Zivilisationsnähe macht das Planen Sinn, denn nicht in jedem Dorf findet man einen Bäcker oder ein Bett.

Ich plane meine Trekkingtouren schon zu Hause sehr detailliert durch. Dinge, die ich vor der Tour schon erledigt habe, spuken mir nicht länger im Kopf herum, und ich kann die Reise entspannt angehen. Ich laufe auch nicht Gefahr, mich mit der Strecke und Zeit zu verzetteln. Außerdem steigert es meine Vorfreude, wenn ich mich schon vorab mit der Tour auseinandersetze.

Gerade bei festen Unterkünften habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, vorher zu buchen. Je nach Ziel und Jahreszeit kann es voll werden, und nach einem anstrengenden Wandertag hat man wenig Lust, noch lange nach einem Quartier zu suchen. Auch zur Versorgungslage informiere ich mich genau, nachdem ich schon tagelang durch Deutschland gewandert bin, ohne einen einzigen Laden zu finden.

Aber fangen wir mal von vorne an …

Wie ich meine Trekkingtouren plane

Wo soll die Reise hingehen?

Jede Planung beginnt mit der Frage: Wo soll es hin gehen?

Die Wahl meiner Tour ergibt sich aus den Antworten auf die Fragen:

  • Wann (zu welcher Jahreszeit) will ich reisen?
  • Wie viel Zeit habe ich?
  • Wie viel Geld habe ich?
  • Wo wollte ich schon immer mal hin?
  • Und was brauche ich gerade?

Zu „Wo wollte ich schon immer mal hin?“ habe ich eine lange Liste, die sich aus Reiseberichten, Empfehlungen und dem Stöbern im Internet speist. Die Touren auf meinem Wunschzettel sind von ihrer Länge und Anforderung her sehr vielfältig und verteilen sich auf ganz Europa, so dass ich für jede Gelegenheit was inpetto habe.

Was direkt zum nächsten Punkt führt: „Was brauche ich gerade?“ Will ich Erholung oder Abenteuer? Suche ich eine sportliche Herausforderung, oder lasse ich es lieber ruhig angehen? Wünsche ich mir Gesellschaft, oder gehe ich lieber alleine? Solche Fragen haben ebenfalls Einfluss auf die Wahl meiner Tour.

Zum Punkt „Wann will ich reisen?“ noch die vorsichtige Warnung, dass man manche Wandergebiete in der Hauptsaison besser meiden sollte. Bei anderen hat man wiederum keine Wahl, weil das Klima die Reisezeit vorgibt, oder manche Berghütten nur zu einer bestimmten Zeit auf haben.

In einigen Wandergebieten kann es sehr voll werden.

Stehen Ziel und Zeitraum fest, mache ich mich an die Planung der Route. Dazu trage ich alle mir bekannten Infos in eine Karte ein. Papier oder digital ist egal – je nachdem, was verfügbar ist. Für die digitale Planung nutze ich meistens Garmin Basecamp.

Alle Infos, die ich zu meiner Tour sammele, landen außerdem – nach Reisetagen sortiert – in einem kleinen Notizheft, das ich mit auf die Reise nehmen.

Festlegung der Route

In der Regel orientiere ich mich bei meinen Trekkingtouren an ausgewiesenen Fernwanderwegen wie zum Beispiel dem South West Coast Path. So ein Weg ist der rote Faden meiner Routenplanung und wird erst mal in die Karte eingezeichnet (falls er nicht eh schon drin ist). Ich markiere mir außerdem Anfang und Ende der vorgeschlagenen Etappen, um einen Überblick über ihre Länge zu bekommen. Selbstverständlich informiere ich mich auch über Höhenmeter und Wegbeschaffenheit, um den Schwierigkeitsgrad einschätzen zu können.

Ich rechne bei Wegen mit mäßigen Höhenunterschieden mit Etappenlängen von 15-25 Kilometern Länge und einer Geschwindigkeit von 4 Kilometern pro Stunde (ohne Pausen). Das ist für mich mit 15 kg Gepäck gut zu schaffen.

Ich orientiere mich bei der Routenplanung meistens an ausgewiesenen Fernwanderwegen.

Hier mal eine Übersicht an Fernwanderwegen im Netz:

  • Waymarked Trails: Karte mit Fernwanderwegen und Pilgerwegen in Europa. Unter „Routen“ findet man Infos zu Länge, Höhenprofil, Markierung sowie die GPX-Daten.
  • Fernwanderwege in Deutschland mit Streckeninfo / Karte / Höhenprofil und GPX-Daten auf Wanderkompass.de
  • Auch im GPS Wanderatlas werden ein paar Fernwanderwege aufgeführt
  • Nationaltrails für Weitwandern in England & Wales
  • hiking Europe – der E1 vom Nordkap nach Italien
  • trekkingguide.de von meinem Reiseleiter-Kollegen Andreas Happe. Geballtes Praxis-Wissen zum Thema Trekking & Wandern, u.a. Beschreibung von Wandergebieten weltweit mit weiter führenden Links.

Foren und Facebook-Gruppen

Folgende Wanderführer benutze ich:

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, denn in den meisten Fällen passe ich den vorgeschlagenen Routenverlauf an meine eigenen Wünsche an. Entscheidend ist hier die Verfügbarkeit von Unterkünften (es sei denn, ich zelte wild), und die müssen nun erst mal recherchiert werden.

Unterkünfte

Die Präferenz „Zelt“ oder „Bett“ habe ich in der Regel schon vorab geklärt. Stellt sich die Frage, ob das auch funktioniert: Gibt es überhaupt genügend Campingplätze am Weg? Oder Unterkünfte, die meinen Preisvorstellungen entsprechen? Wenn ich Glück habe, ist das der Fall. Sehr oft tauchen hier aber die ersten Probleme auf, weil es vielleicht meilenweit gar keine Quartiere gibt, oder diese zwar vorhanden, aber zu teuer sind.

Oft werden auf der Website eines Fernwanderwegs oder auf Wanderkarten Quartiere empfohlen, aber erfahrungsgemäß sind diese Listen selten vollständig. Manche Unterkünfte, die auf Wanderkarten eingetragen sind, existieren gar nicht mehr. Also ziehe ich Google Maps zu Rate und gucke mir an, was es entlang der Route so gibt.

Alle Übernachtungsorte, die für mich letztendlich in Frage kommen, trage ich ebenfalls in meine Karte ein. Diese gilt es dann geschickt zu einer Reiseroute zu verbinden. Dabei kann es passieren, dass die neue, von mir entwickelte Route, erheblich vom ursprünglichen Vorschlag abweicht. Also muss ich nochmal die Distanzen checken: Sind die neuen Etappen von Länge und Anspruch her auch so, dass ich sie schaffe?

Pausentage

Pausentage plane ich nach langen Etappen oder an landschaftlich schönen Stellen ein, oder wenn es was zu besichtigen gibt. Die Faustregel ist: Pro Wanderwoche ein Pausentag zur Regeneration!

Regeneration ist besonders bei langen Touren wichtig.

Wenn es unterwegs viel zu sehen gibt, gerne auch mehr. Dann lasse ich das schwere Gepäck in der Unterkunft und mache eine Tagestour. Auch mal ganz schön, so ohne den schweren Rucksack …

Pausentage sind auch gute Gelegenheiten zum Wäschewaschen, für Einkäufe und Reparaturen an der Ausrüstung, zum Studieren der nächsten Etappen, um Auskünfte einzuholen, und natürlich um sich satt zu essen!

Auch nach der Reise plane ich übrigens immer ein paar Tage zum Ankommen und für die Regeneration ein.

An- und Abreise

Irgendwie kommt man überall hin. Das ist bloß eine Frage der Zeit und des Geldes. Wenn beides knapp ist, will die Anreise gut geplant werden. Auf der Suche nach Flügen, Bus- und Bahnverbindungen kann man so einige Stunden im Internet verbringen. Websites wie rome2rio.com erleichtern zwar die Recherche, oft muss man aber doch die Seiten der örtlichen Transportunternehmen angucken, oder dort das Ticket kaufen oder reservieren. Zum Glück sind inzwischen viele Seiten auf englisch. Eventuell kann es passieren, dass ich an der Tour nochmal was ändern muss, wenn zum Beispiel der Bus in mein Zielgebiet nicht täglich fährt.

Versorgungslage

Die Frage, wann man wo an Lebensmittel kommt, sollte man nicht vernachlässigen: Ich bin in der Eifel schon mal fast verhungert!

Essen wird schnell zum Thema Nr. 1 beim Wandern.

Die Recherche gestaltet sich ähnlich wie bei den Unterkünften, also über Google Maps. Was gibt es unterwegs an Läden und Einkehrmöglichkeiten? Wie sind die Öffnungszeiten? Dementsprechend muss ich überlegen, wann und für wie viele Tage ich einkaufen muss. Und was das für mein Rucksackgewicht bedeutet. Essen wiegt sehr viel, und gerade bei längere Touren ohne Einkaufsmöglichkeit kann das Rucksackgewicht echt kritisch werden.

Bei Touren mit Zelt ist auch die Brennstoffversorgung ein Thema. Gaskartuschen dürfen nicht mit ins Flugzeug, also muss man die vor Ort kaufen. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. Auch hier hilft es, vorab nach Outdoor- und Campingläden zu googeln, oder die Campingplätze anzuschreiben, ob sie Gas verkaufen.

Kostencheck

Wenn die Tour steh, wird nochmal genau gerechnet: An- und Abreise + Übernachtungen + Essen & Trinken + Notfallkasse. Passt das in mein Budget?

Auch die Frage, ob man sich für die Tour noch Ausrüstung kaufen muss, sollte man sich vorab stellen, denn solche Neuanschaffungen gehen oft richtig ins Geld.

Sicherheit und Hilfe im Notfall

Besonders bei Solotouren beschäftige ich mich ausgiebig mit der Frage, wo ich im Notfall Hilfe finden kann. Auch über mögliche Gefahren informiere ich mich: Gibt es kniffelige Wegabschnitte? Was erwartet mich wettertechnisch? Hier hilft es sehr, Erfahrungsberichte von andern Wanderern zu studieren.

Wichtige Fragen sind auch: Gibt es unterwegs Handyempfang? Gibt es Hütten, Höfe, Dörfer oder Straßen, die am Weg liegen, und wo ich im Notfall Hilfe finde? Das schaue ich mir für jede Etappe sehr genau an, denn im Ernstfall sind Zeit und Energie knapp. Auch Ausstiegsmöglichkeiten habe ich im Blick: Kann ich unterwegs irgendwo in den Bus steigen oder die Tour notfalls verkürzen?

Immer gut zu wissen: Wann und wo kann ich aus der Tour aussteigen?

Last but not least: Wie ist es um meine Erste-Hilfe-Kenntnisse bestellt? Diese sollte man regelmäßig auffrischen, am besten bei einem Kurs, der sich speziell mit Outdoor-Erste-Hilfe befasst.

>> Siehe hierzu auch meinen Beitrag Outdoor Erste Hilfe – ein Kurs für die Praxis

Packliste

Steht die Tour, geht es an die Packliste. Mittlerweile habe ich für unterschiedliche Touren Packlisten, die ich nur geringfügig anpassen muss.

>> Siehe zum Beispiel meine Packliste für 1 Woche Cornwall

Besonders, wenn ich bei einer Trekkingtour für mehrere Tage Proviant mitschleppen muss, plane ich meine Packliste sehr genau, denn dann kommt es auf jedes Gramm an. Ich erstelle außerdem einen Essensplan und kaufe die ersten Lebensmittel schon zu Hause ein.

Vor dem Packen mache ich außerdem einen Ausrüstungscheck: Ist alles vollständig und in Ordnung? Muss ich was reparieren oder gar neu kaufen? Vielleicht muss ich ein neues Teil bestellen – das braucht manchmal Zeit. Deshalb mache ich die Packliste und den Ausrüstungscheck nie auf den letzten Drücker.

Und Tschüss!

Der Rucksack ist gepackt. Freunde und Familie wissen, dass ich unterwegs bin. Die Reise beginnt und entwickelt ihre eigene Dynamik. Und manchmal laufen die Dinge dann doch anders, als geplant. Aber das ist okay, denn ich bin gut vorbereitet. Und irgendwie wird sich schon eine Lösung finden.

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