Was du gegen Angst beim alleine Wandern tun kannst

Wilde Schweine, finstere Gestalten, verirren, verdursten, verhungern …

Beim alleine Wandern können böse Sachen passieren – zumindest dann, wenn wir unserer Phantasie freien Lauf lassen. Warum du trotzdem auf Tour gehen solltest, und wie du deine Angst beim alleine Wandern in den Griff bekommst, erfährst du in diesem Beitrag.

Die gute Nachricht vorweg: Angst zu haben ist okay. Angst ist ein natürlicher Mechanismus, der uns vor Gefahren schützt.

Die nicht so gute Nachricht: Angst kann uns davon abhalten neue Dinge auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln, unsere Stärken zu entdecken, zu lernen, zu leben und zu wachsen. Angst kann uns um wirklich wertvolle Momente bringen. Wenn wir es zulassen.

Stellt sich also die Frage, wie man der Angst beim alleine Wandern angemessen begegnen kann. Denn eins ist klar: Ein Leben ganz ohne Angst gibt es nicht.

 

Woher kommt unsere Angst?

Um die eigene Angst zu durchschauen ist es hilfreich, einen Blick auf die Auslöser zu werfen. Die wichtigste Frage ist: Entspringt die Angst einer realen Bedrohung, oder ist sie das Produkt unserer Phantasie?

Reale Bedrohung heißt beim Wandern: Du befindest dich in unmittelbarer Gefahr. Ein Hund greift dich an. Du wirst von einer Lawine mitgerissen. Du bist aufgrund einer Verletzung nicht mehr bewegungs- und handlungsfähig. Es besteht Gefahr für Leib und Leben, und deine Angst ist in diesem Fall berechtigt. Sie bewirkt, dass im Körper Stresshormone ausgeschüttet werden, die dich auf Kampf oder Flucht vorbereiten. Angst hilft dir in so einer Situation dein Leben in Sicherheit zu bringen.

Die Ängste, die uns aber am meisten zu schaffen machen und verhindern, dass wir uns ins Abenteuer stürzen, sind die, die unserer Phantasie entspringen. Unsere Phantasie kann, wenn es um die Erfindung von Horrorgeschichten geht, sehr lebhaft werden. Was ist, wenn ich mich verlaufe, wenn es dunkel wird, , wenn ich mich verletze oder in ein Gewitter komme, wenn ich einem Wildschwein begegne oder einem komischen Typen?

Keine Frage: Es ist äußerst sinnvoll über mögliche Gefahren nachzudenken – mit dem Ziel, sich entsprechend vorzubereiten. Das Problem ist leider, dass unsere Angst auch dann noch besteht, wenn wir gut vorbereitet sind. Angst gehört nun mal zu den stärksten Emotionen des Menschen und lässt sich nicht so einfach abstellen. Aber je öfter du deine Ängste überwindest, desto selbstsicherer und selbstbewusster wirst du. Das kannst du trainieren.

 

Fearlessness is like a muscle. I know from my own life that the more I exercise it the more natural it becomes to not let my fears run me. – Arianna Huffington

 

Warum dich deine Angst nicht vom alleine Wandern abhalten sollte

Okay, so richtig wohl fühlst du dich bei dem Gedanken, alleine durch den Wald zu laufen, draußen zu schlafen oder durch unbekanntes Terrain zu wandern nicht. Und soll ich dir was verraten? So geht es mir auch noch oft – und dass, obwohl ich schon etliche Solo-Touren hinter mir habe (die übrigens alle gut liefen!). Besonders alleine in der Wildnis zu zelten kostet mich immer noch Überwindung. Aber ich mache es trotzdem. Denn ich weiß, dass ich davon profitiere.

Was passiert, wenn du dich trotz deiner Ängste auf den Weg machst?

1. Du lernst dich besser kennen
Alleine wandern ist die Gelegenheit schlechthin, um sich selbst besser kennen zu lernen. Abseits vom täglichen Trott und den Routinen, die dir Sicherheit geben, kannst du feststellen, wie du auf unbekannte und unvorhergesehene Situationen reagierst. Überraschungen sind beim Reisen vorprogrammiert!

Wenn du alleine unterwegs bist, lenkt dich niemand von dir und deinen Gedanken ab. Du bist dir selbst „ausgeliefert“ und kannst dich ungestört beobachten. Und auch das ist ein Vorteil: Niemand sieht dir zu und macht sich über dich lustig, wenn der Angsthase mal durchkommt. Niemand bewertet dich. Nur du alleine entscheidest, wie weit du gehen willst, und was für dich Erfolg ist.

2. Du bist ein Sieger
Jedes Mal, wenn du deine kuschelige Komfortzone verlässt und deine Ängste überwindest, hast du einen Sieg errungen. Und Siegen ist ein tolles Gefühl: Glückshormone durchströmen den Körper und katapultieren dich auf Wolke sieben. Die Welt gehört dir, du bist eine Heldin.

Dein Erfolgserlebnis wird sich in dein Gedächtnis einbrennen. Je intensiver deine Emotionen in einer Situation sind, desto nachhaltiger die Erinnerung. Das passiert auf der bewussten und unbewussten Ebene. Du lernst.

3. Du kannst Ängste dauerhaft überwinden
Bist du schon mal vom Zehner gesprungen? Das erste Mal ist pures Drama. Das zweite, dritte, vierte Mal kostet immer noch Überwindung. Beim fünften, sechsten, siebten Sprung hast du nur noch einen minimal erhöhten Pulsschlag. Irgendwann wird die Sache normal. Und schließlich langweilig.

Je öfter du dich deinen Ängsten stellst, desto kleiner werden sie. Im besten Fall verschwinden sie ganz. Dann hast du ein neues Level an Selbstsicherheit und Selbstvertrauen erreicht, und es wird Zeit, sich nach neuen Herausforderungen umzugucken.

4. Du wirst insgesamt mutiger, ruhiger und sicherer
Wenn du dich immer wieder deinen Ängsten stellst, wirst du feststellen, dass du gelassener durchs Leben gehst. Es macht sich eine ruhige Gewissheit breit, dass du das, was kommt, schon irgendwie schaffen wirst. Denn:

Den Kern deiner Ängste bildet die Überzeugung, dass du einer Situation nicht gewachsen bist, sie nicht bewältigen kannst.

5. Du wächst
Wir alle wollen wachsen und uns weiter entwickeln, denn das ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Leben ist Bewegung. Stillstand ist unnatürlich. Wirst du in deinem Wachstum behindert, gehst du ein wie eine Primel. Dann lebst du nicht, sondern existierst nur noch, wirst gleichgültig und depressiv. Und dafür ist unser Leben definitiv zu kurz, oder?

 

Ängste beim alleine Wandern – und was du dagegen tun kannst

Mit welche konkreten Ängste haben wir es nun beim alleine Wandern zu tun?

Ich habe die Mädels in der Facebook-Gruppe „Club der AbenteurerINNEN | Outdoor-Frauen unter sich“ einmal gefragt, vor was sie eigentlich Angst haben. Die Antworten:

  • Wildschweinattacken
  • schräge Typen
  • nicht mit den eigenen Gedanken klar zu kommen
  • Angst im Dunkeln
  • Bären
  • Verlaufen
  • Überfall nachts im Zelt
  • Langeweile beim Wandern
  • alleine mit Verletzung
  • abbrechen zu müssen, zu versagen
  • nichts zu essen zu haben + keine Unterkunft
  • die eigene Phantasie, die Horrorszenarien entwirft
  • kein Wasser
  • ich habe keine Angst, alles ist pure Freude

Und was kann man dagegen tun?

1. Bei Angst vor Notfällen

Verirren, verhungern, verdursten, erfrieren
Das sind reale Gefahren. Nahrung, Wasser, Schutz und Wärme sind die Dinge, die wir unbedingt zum Überleben brauchen. Deshalb werden diese Punkte in jedem Survivalkurs intensiv behandelt, und auch bei der Planung und Vorbereitung einer Trekkingtour spielen sie eine wichtige Rolle. Du kannst durch geeignete Vorkehrungen das Notfallrisiko sehr stark reduzieren.

Zum Beispiel: Verirren
Übe das Wandern mit Karte und / oder GPS-Koordinaten in einer Gegend, in der du dich auskennst. Du kannst deinen Orientierungssinn regelrecht trainieren. Ich mache manchmal eine kleine Übung, die ich „kontrolliertes Verlaufen“ nenne. Dazu speicherst du die GPS-Daten deines Ausgangspunktes im Handy oder Garmin ab, machst dann das Gerät aus und läufst einfach los. Die Herausforderung besteht darin, ohne Hilfsmittel zurück zu finden. Ohne Orientierungsmittel gehst du viel bewusster, denn du achtest auf Landschaftsmerkmale, Wegkreuzungen, Sonnenstand und Windrichtung. Und falls das Experiment nicht klappt, hast du ja die Koordinaten dabei.

Auch Gefahren wie verhungern, verdursten und erfrieren kannst du durch eine gute Vorbereitung auf ein absolutes Minimum reduzieren. Grundsätzlich möchte ich dir raten, dich in kleinen Schritten auf eine große Tour vorzubereiten. Wie so oft im Leben ist Erfahrung das A und O. Lass dich nicht abbringen, wenn mal was schief läuft, sondern lerne und mach es beim nächsten Mal besser. Je mehr positive Erfahrungen du sammelst, desto geringer wird deine Angst.

Verletzungen und Unfälle
Auch hier gilt: Eine gute Vorbereitung ist entscheidend. Kenntnisse in Erster Hilfe sind genauso wichtig, wie das Wissen um die Situation vor Ort – das heißt: Infrastruktur, Notruf, Unterkünfte, Versorgung, Etappenlängen, Gelände, Wetter usw.

>> Ich gehe sehr ausführliche auf diese Punkte in meinem Post „Ist alleine wandern gefährlich?“ ein.

 

2. Angst vor Begegnungen mit Tier und Menschen

Du gehst alleine durch den Wald. Auf einmal hörst du ein Knacken aus der dunklen Fichtenschonung neben dir. Ein Mensch? Ein Schwein? Dein Puls erhöht sich …

Angst vor Wildtieren
In unseren Wäldern sind es vor allem Wildschweine, vor denen viele Menschen Angst haben. Aber wie oft ist dir schon ein Wildschwein begegnet? Ich bin wirklich viel draußen und habe erst dreimal Wildschweine gesehen.

Wilde Tiere haben Angst vor uns. Außerdem gibt es bei Tieren keine Bösartigkeit. Wenn sie dir auf die Pelle rücken, dann deshalb, weil sie hungrig oder neugierig sind oder sich verteidigen müssen. Und wenn Tiere sich in die Enge getrieben fühlen oder ihren Nachwuchs schützen wollen, kann es tatsächlich brenzelig werden. Eine Wildsau, die ihre Jungen in Gefahr sieht, ist zum Angriff bereit. Das würden wir ja genauso machen, oder?

Was tun? Ich bleibe auf den Wegen und gehe nur in Ausnahmefällen querfeldein. Damit schrecke ich keine Tiere auf. Wildtiere wissen in der Regel, dass ihnen Menschen, die auf Waldwegen unterwegs sind, nicht gefährlich werden. Bei Touren im Ausland musst du dich vorab gut informieren. Die Einheimischen wissen, wie man sich im Bärenland richtig verhält.

Angst vor Überfällen
Die Wahrscheinlichkeit, dass du in der Stadt überfallen wirst, ist viel größer, als dass du in der Wildnis angegriffen wirst. Wenn du Angst vor Überfällen hast, nimm Pfefferspray mit. Aber Achtung: Das Zeug ist in manchen Ländern verboten.

Ich wähle übrigens für Solo-Touren nur Reiseländer, in denen ich mich sicher fühle. Ich bin noch nie irgendwelchen komischen Typen begegnet, geschweige denn, angegriffen worden.

Unser Bild von all den schrecklichen Dingen, die draußen passieren können, ist sehr stark durch die Medien beeinflusst. Vermeide es, dir Berichte dieser Art reinzuziehen. Denn je stärker du dich auf ein Thema konzentrierst, desto häufiger taucht es auf. Beispiel: Du willst einen bestimmten Rucksack kaufen und stellst auf einmal fest, dass scheinbar die halbe Welt mit genau dieser Marke unterwegs ist. Das ist dir vorher noch nie aufgefallen, sondern erst als das Thema für dich relevant wurde. Genauso funktioniert es auch mit Berichten über Wildschweinattacken und Kinderleichen im Wald. Hast du das Thema einmal im Blick, wirst du immer wieder auf Storys treffen, die dich in deiner Ansicht bestärken. „Furcht sieht überall Gespenster“ sagt der Volksmund.Versuch das Thema schlichtweg zu ignorieren und geh los. Du wirst die Erfahrung machen, dass die Welt friedlicher ist, als du denkst, und mit der Zeit wird sich deine Angst legen.

 

3. Angst vor der Begegnung mit sich selbst

Gedanken und Emotionen
Wenn du mal eine Zeit lang alleine bist, kommt vieles zum Vorschein, was du vorher ausgeblendet und verdrängt hast: Selbstzweifel, Ängste, Traurigkeit – aber auch positive Gefühle wie Stolz und Freude. Das alleine Wandern kann eine regelrechte Gefühlslawine auslösen, die dich völlig überrascht.

Wie kannst du mit dem, was da möglicherweise hochkommt, umgehen?
Akzeptiere deine Gefühle. Sie sind begründet. Jetzt ist die Gelegenheit, mal genauer hinzugucken. Das Tolle beim alleine Wandern ist doch, dass niemand dich sieht, wenn du heulst, fluchst oder jubelst. Versuche, deine Gedanken und Gefühle nicht zu bewerten, Sie sind nicht gut oder schlecht, sondern einfach da. Und sie kommen – und gehen auch wieder.

Ich finde es sehr hilfreich, in solchen Situationen meine Gedanken aufzuschreiben. So gewinne ich wieder Boden unter den Füßen. Und ich kann später mit den Notizen die Sache aufarbeiten.

Die Angst, zu scheitern
Was bedeutet für dich eigentlich „scheitern“? Wer entscheidet, ob du gescheitert bist? Du? Andere? Kann scheitern auch etwas positives haben? Wie oft bist du schon gescheitert, und trotzdem ging das Leben weiter? Welche Erkenntnisse und Stärken hast du aus solchen Situationen gewonnen?

Wichtig ist: Nur du allein definierst, was „scheitern“ für dich bedeutet.

Stelle dir folgende Fragen: Warum machst du diese Tour? Wie definierst du „Erfolg“ in Hinblick auf deine Tour? Prüfe genau, ob die Antwort von dir kommt – oder von anderen.

Wenn dich unterwegs Frust und Selbstzweifel überfallen, führe dir deine Erfolge vor Augen: Was hast du heute (gestern, in den letzten Tagen) geschafft? Welche Situationen hast du gemeistert, worauf kannst du stolz sein? Klopf dir auf die Schultern. Schreibe es auf. Messe dich, wenn dich der Mut verlässt, nie mit anderen, sondern immer nur mit dir selbst!

>> In meinem Blogpost „Wie du dich mental auf eine Solo-Tour vorbereiten kannst“ gibt es einen kleinen „Werkzeugkoffer“ für die mentale Vorbereitung.

>> Und im Artikel „Wie du Selbstzweifel überwinden kannst“ verrate ich dir 3 Methoden, die dir schnell aus dem Loch helfen.

Einsamkeit & Langeweile
Wenn du es nicht gewohnt bist, eine Zeit lang alleine zu sein, können Langeweile und ein Gefühl von Einsamkeit durchaus zum Problem werden.

Wenn du merkst, dass es stimmungsmäßig bergab geht, such dir eine Beschäftigung. Kochen, Wäsche waschen, Beeren sammeln – irgendwas gibt es immer zu tun. Ein Lagerfeuer schafft Geborgenheit. Vielleicht fotografierst du gerne? Jetzt hast du Zeit, um mal ganz in Ruhe tolle Motive zu suchen. Wenn du Angst hast, dass du mit dem Alleinsein überhaupt nicht klar kommst, nimm dir vorsichtshalber ein Buch oder Hörbuch mit.

 

4. Angst vor Dunkelheit

Wir Menschen sind keine Nachttiere. Da unsere Augen ohne Licht nur schlecht funktionieren, sind die anderen Sinnesorgane und der Verstand im Dunkeln umso wachsamer. Wir sind dann sensibler gegenüber Geräuschen, Bewegungen, Gerüchen, und das Gehirn (und die Phantasie) läuft auf höchsten Touren. Ein kleiner Schatten kann uns in Panik versetzen. Im Dunkeln erscheint die Welt bedrohlicher und dramatischer.

Angst im Dunkeln zu haben ist natürlich, vor allem wenn man bedenkt, dass unsere Vorfahren es mit wilden Tieren zu tun hatten, die ihnen nachts haushoch überlegen waren. Es ist diese Urangst, die uns auch heute noch trifft, wenn wir im Dunkeln alleine durch den Wald laufen oder im Zelt liegen.

Was kannst du tun? Wie so viele Ängste kannst du auch diese reduzieren, indem du dich der Situation immer wieder stellst. Fang mit einer kleinen Nachtwanderung in einer dir bekannten Umgebung an. Geh einfach mal ohne Licht – du wirst überrascht sein, wie viel du trotzdem siehst.

Wenn du das erste mal alleine zelten willst, mach es dort, wo es lange hell ist. Ich wandere nicht zuletzt deshalb so gerne im hohen Norden, weil die Nächte dort im Sommer hell sind! Schlag dein Lager erst mal auf Campingplätzen und neben Berghütten auf, bevor du in der Wildnis schläfst. Nach ein paar Tagen legt sich die Angst.

Einen schönen Beitrag zum Thema „alleine zelten“ (mit viel Humor und Selbstironie geschrieben) findest du bei Fräulein Draußen.

 

Fazit

Manchmal hält sich die Angst hartnäckig. Selbst wenn du meinst, dass du die Situation vernunftsmäßig unter Kontrolle hast, bleibt ein mulmiges Gefühl im Bauch. Nimm deine Angst zur Kenntnis – und mach trotzdem weiter. Mit aller gebotenen Vorsicht.

Keine Wanderung ist ohne Risiko. Aber so ist das Leben: Irgendwas kann immer passieren (im Guten, wie im Schlechten). Wichtig ist das Vertrauen – besser noch: Wissen – dass du mit dem, was kommt, fertig wirst. Und um das zu erreichen, bleibt nur eins: es immer und immer wieder zu machen.

 

Tue, wovor du dich fürchtest, und das Ende der Angst ist dir gewiss.  – Zitat von unbekannt

 

Wann hattest du mal beim alleine Wandern so richtig Schiss? Was hast du dagegen getan? Lass es uns wissen!

 

12 Gedanken zu „Was du gegen Angst beim alleine Wandern tun kannst

  • 24. Juni 2018 um 11:07
    Permalink

    Hallo Judith,
    Vielen Dank für deine Webseite! Sie hat mir bei der Entscheidung, im Sommer den swcp zu laufen, sehr geholfen.
    Meine Angst bzw. Sorge taucht in der Liste allerdings nicht auf, die würde ich gerne ergänzen: und zwar die (unkalkulierbar) aussetzende Schwindelfreiheit. Keine Höhenangst, aber wenn es direkt neben mir zu steil wird, verlässt mich manchmal die Trittsicherheit. Manchmal aber auch nicht! Das ist tatsächlich im Moment das einzige, was die Vorfreude trübt.
    Viele Grüße,
    Isabel

    Antworten
    • Judith
      4. Juli 2018 um 14:30
      Permalink

      Hallo Isabel.
      Vielen Dank für Deine Ergänzung. Ich stimme Dir absolut zu: Höhenangst oder ein mulmiges Gefühl bei kniffligen Passagen kann den Spass beim Wandern ziemlich beeinträchtigen. Denn leider hat das diese Angst oft zur Folge, dass das Vetrauen in den eigenen Körper und das eigene Können auf einmal aussetzen – wie Du es ja auch beschreibst.
      Meiner Erfahrung nach hilft es dann, sich ganz und gar auf den Weg und den nächsten Schritt zu konzentrieren und den Blick auf einen kleinen Ausschnitt zu fokussieren. Bloß nie hektisch werden! Denn dann verliert man vollends die Kontrolle.
      Wenn Du „nur“ ein komisches Gefühl an schwierigen Stellen hast, kannst Du es tatsächlich „wegtrainieren“ indem Du es immer wieder probierst. Etwas anders ist die richtige Höhenangst, wenn die man in eine Panikstarre verfällt und sich gar nicht mehr bewegen kann.
      Ich wünsche Dir eine gute – und vor allem schwindelfreie – Tour auf dem Coast Path!

      Antworten
  • 9. März 2018 um 17:12
    Permalink

    Also bei mir ist es die Angst vor wildtieren. Wir sind zu zweit wandern gegangen bzw. Wollten wandern und schön nach 200 Metern kreuzte eine Torte Wildschwein unseren weg. Mit einem mulmigen Gefühl haben wir kehrt gemacht und sind in die andere Richtung. Aber auch dort nach einigen Metern plötzlich ein Schrei und wildes getrappel im Unterholz… und leider keine andere menschenseele weit und breit. Und das schon bei unserer 3. Tour. Wir haben leider abgebrochen und ich traue mich nun kaum auf weniger frequentierte Wege. Hast du einen Rat? Wärest du weoter gegangen?

    Antworten
    • Judith
      9. März 2018 um 19:54
      Permalink

      Hallo Melli.
      Pssss, es bleibt unter uns🤫: Als ich das erste Mal alleine im Wald war und einer Bache mit ihren Frischlingen begegnet bin, bin ich auf den nächstbesten Baum geklettert! Ich wusste die Situation überhaupt nicht einzuschätzen. Aber letztendlich hatte die Sau wohl genauso viel Angst vor mir, wie ich vor ihr und ist – mit ihrem Anhang – weggelaufen.
      Mittlerweile hatte ich weitere Wildschwein-Begegnungen, und immer sind die Tiere getürmt. Wenn ich zu ihnen ausreichend Abstand habe, bleibe ich einfach stehen. Die Bache kann vor allem dann gefährlich werden, wenn sie ihre Jungen in Gefahr sieht – wenn Du z.B. zwischen ihr und dem Nachwuchs stehst oder ihnen zu nahe kommst. Tiere wehren sich halt, wenn sie Angst haben oder gestresst sind. Schweine sind sehr intelligente und sensible Tiere.
      Da ich bisher keine negativen Erfahrungen mit Wildschweinen gemacht habe, habe ich auch keine Angst vor ihnen. Falls sie mich tatsäclich mal angreifen sollten, wäre ich wohl ganz schnell wieder auf irgendeinem Baum 😉
      Wie war es denn bei Euch: Sind die Schweine geflüchtet? Und sind bei Euch in der Region Angriffe von Schweinen auf Wanderer bekannt?
      Wenn Ihr zu zweit abseits er Hauptwege lauft, ist es nicht schlecht, wenn Ihr laut miteinander redet, denn dann hören die Tiere Euch und haben genung Zeit zum Fliehen. Ich würde es auch vermeiden, in der Dämmerung zu gehen. Und manchmal sieht man auch, wo besonders viele Schweine leben: dort ist der Wegrand von der Futtersuche total aufgewühlt. Die Wildschweine verstecken sich tagsüber meistens in dichtem Gehölz. Da würde ich niemals reingehen (auch nicht zum Pinkeln).
      Vorsicht ist immer gut, aber lasst Euch nicht vom Wandern abhalten. Die Natur ist – nach meinen Erfahrungen – weniger gefährlich, als man denkt.

      Antworten
  • 26. Dezember 2017 um 7:06
    Permalink

    Hallo Judith
    Zum Thema Angst:
    Meine erste Wanderung allein war auf dem Heidschnuckenweg von Hamburg bis Celle mit Gepäcktransport und gebuchten Unterkünften um es mal auszuprobieren. Der erste Tag ging durch dichten Wald und man ist erstaunlicherweise ziemlich alleine dort. Mir war dabei schon ziemlich mulmig und man kann sich da schon reinsteigern wenn man blöde Gedanken zuläßt. Was wenn ein Wildschwein oder Wolf kommt oder ein komischer Typ,oder gar mehrer oder,oder,oder!?!?
    Aber irgendwann hatte ich die Gaxen dicke von so doofen Gedanken und bin stehen geblieben und habe mir erst mal die Leviten gelesen. Du blöde Kuh, dachte ich so bei. was willst du eigentlich? Sieh dich doch mal um, es ist wunderschön hier, kein Mensch weiß wo du bist, du bist ganz alleine hier und alees ist gut! Ich habe bestimmt 15 min nur da bestanden und mir in aller Ruhe den Weg,die Bäume, den Himmel und alles angesehen und mir gesagt was ich doch für ein Glückspilz bin das alles für. Ich alleine zu haen. Danach hatte ich nie wieder Angst und habe die Tour ( und alle anderen danach) in vollen Zügen genossen.
    Liebe Grüße
    Birgit
    P.s.vielen Dank noch auf die Antwort zu meiner Frage zum SWCP

    Antworten
    • Judith
      26. Dezember 2017 um 18:17
      Permalink

      Hallo Birgit.
      Ja, unsere Wälder sind teilweise ganz schön still und einsam und bieten ’ne Menge Stoff für die Phantasie. Das Unbehagen vor dem dunklen Wald sitzt wahrscheinlich sehr tief in uns Menschen drin. Wie schön, dass du dich letztendlich gegen deine Angst und Gedanken durchgesetzt hast und den Heidschnuckenweg noch richtig genießen konntest.

      Antworten
  • 21. Dezember 2017 um 8:10
    Permalink

    Ja klasse geschrieben! Bringt vor allem den Umgang mit der Angst auf den Punkt. Setze mich gerade mit einigen Slogans von Survival Anbietern auseinander, die diese Angst noch weiter schüren mit Aussagen wie:
    “ 1 km vom Weg verhungert! Verirrt und verdurstet! Vom Wolf gefressen!“
    Dann fand ich deinen Bericht und finde es einfach nur toll, wie du alles Wichtige zu diesem Thema auf den Punkt bringst und dabei bodenständig bleibst. Für mich kann das so stehen bleiben, denn es hilft bestimmt diese fiktive Angst zu benennen ( „Furcht sieht überall Gespenster“). Danke u. viele Grüße Bernhard

    Antworten
    • Judith
      21. Dezember 2017 um 16:19
      Permalink

      Danke, Bernhard.
      Ja, ich finde auch, dass oft unnötig Ängste geschürt werden, wenn es um das Draußensein geht. Auf der anderen Seite habe ich aber auch Fälle erlebt, in denen Wanderer extrem leichtsinnig waren und sich vorher nicht über mögliche Gefahren informiert haben oder diese nicht ernst genommen haben.
      Der Mensch scheint immer weniger in der Lage, Gefahren in der Natur richtig einschätzen zu können. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir raus gehen und nicht vergessen (bzw. wieder lernen), wie man sich in der Natur bewegt.

      Antworten
      • 22. Dezember 2017 um 6:50
        Permalink

        Danke für deine Antwort. Ich glaube, dass viele Anbieter von Survival Angeboten diese Angst ausnutzen, um damit ein wirksamen Slogan zu formulieren, nur um angebotene Workshops an den Mann/Frau zu bringen.
        Bei meinen vielen Touren in Europa, war ich nie richtig in Gefahr, habe sogar eher Städte als Gefahr empfunden. Der urbane Raum kann schließlich auch bedrohlich sein, in dem viele Arten von Unfällen passieren können. Wir können uns auch im Krankenhaus mit einem multiresistenten Virus anstecken und daran sterben oder überfallen und erschossen werden. Vielleicht könnte auch eine Rauchvergiftung zu unserem Ableben führen. Es gibt viele Möglichkeiten in der Stadt eine berechtigte Angst zu entwickeln. Jedoch haben wir diese Angst aber nicht, fahren weiter mit dem Auto, dem Rad, den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das ist auch gut so denn sonst wäre die Angst ein täglicher Begleiter und würde uns lähmen, das zu tun, was wir tun müssen.

        Antworten
        • Judith
          23. Dezember 2017 um 12:39
          Permalink

          Als Kind hatte ich Angst vor der Stadt 😉 Es ist halt oft die Angst vor dem Unbekannten, mit der wir es zu tun haben. Sobald uns etwas vertraut ist, verlieren wir (meistens) auch die Angst. Und deshalb mein Appell: Stellt euch der Angst, geht trotzdem raus, macht eure eigenen Erfahrungen und habt Vertrauen in euch selbst und in die Welt.

          Antworten
  • 13. Dezember 2017 um 22:44
    Permalink

    Toller Artikel und vielen Dank für den Querverweis auf unseren Artikel zur Komfortzone.

    Liebe Grüße
    Christian

    Antworten

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