Trekking in der Eifel Teil 2: Rureifel und Nationalpark

Einfach mal ein paar Tage raus! Eine Trekkingtour in der Nordeifel eignet sich hervorragend für das kleine Abenteuer vor der Haustür. Die Nordeifel ist gut erreichbar, hat zahlreiche Campingplätze, ein super Netz an Wanderwegen und nicht zuletzt einen Nationalpark! In diesem Beitrag stelle ich dir eine 3-tägige Trekkingtour rund um den Rursee vor. Die Route führt durch den Nationalpark Eifel, zum zweitgrößten Stausee Deutschlands und durch das Tal der Rur (ohne „h“!).

Trekking in der Eifel?

Mit der Eifel verbindet man nicht unbedingt das Thema „Trekking“. Vielmehr bestimmen Ausflugsboote, Kaffee und Kuchen und holländische Autokennzeichen unser Bild von der Nordeifel. Wie passt da der Wanderer mit großem Rucksack (und dafür umso kleinerem Zelt) rein? Ehrlich gesagt: Wir sind eine Minderheit. Aber dennoch hat das Trekking auch in der Eifel an Popularität gewonnen, nicht zuletzt aufgrund von Fernwanderwegen wie dem Eifelsteig, dem Wildnistrail und Trekkingplätzen, die das Übernachten mitten in der Natur ermöglichen. Das Schöne an der Eifel ist halt, dass hier jeder was Passendes findet. Selbst wir, die wir uns doch sonst lieber in der skandinavischen Wildnis tummeln …

Wildnis in Nordrhein-Westfalen

Das bevölkerungsreichste Bundesland hat einen Nationalpark! Hier, nur eine Fahrstunde von Köln entfernt, leben Wildkatzen, Rothirsche, Uhus und Biber.

Auf dem 85-Kilometer langen Wildnistrail kann man die Vielfalt und Besonderheiten des Nationalparks Eifel kennen lernen. Für die Begehung empfehle ich unbedingt, das Buch „Der Wildnis-Trail im Nationalpark Eifel“ einzupacken, um mit dem nötigen Hintergrundwissen die Schätze des Nationalparks zu entdecken. Allerdings ist die Bezeichnung „Trail“ etwas irreführend, denn man wandert oft auf Forstwegen.

Der Nationalpark Eifel besteht aus ganz unterschiedlichen Landschaften: Buchen- und Eichenwälder, weite, offene Hochflächen und tief eingeschnittene Täler, der Urfstausee und Fichtenwälder bestimmen das Bild. Wobei auch hier in den Fichtenwäldern der Borkenkäfer in den letzten Jahren ganze Arbeit geleistet hat.

Unsere Trekkingtour führt durch Teile des Nationalpark. Um ihn in seiner ganzen Fülle zu erleben, empfehle ich, ein paar Tage mehr einzuplanen und im Rahmen von Tagestouren zum Beispiel Vogelsang und die Dreiborner Höhe zu besuchen.

3 Tage Trekking durch die Nordeifel

Unsere Route führt von Heimbach ausgehend auf den Kermeter, zum Rursee, ins Tal der Rur und durch den Hetzinger Wald zurück nach Heimbach. Die gesamte Tour ist etwas über 40 Kilometer lang.

>>> GPS-Daten Tour komplett

Etappen

Tag 1: Heimbach – Rurberg (16,4 km // Komoot: +440/-300 Hm // Garmin: +510/-385 Hm)

Wir starten am Heimbacher Campingplatz, wandern durch den Ort Heimbach, bestaunen die mittelalterliche Burg Hengebach und beginnen auf dem Wildnistrail den lang gezogenen Aufstieg zum Kermeter. Hier sind wir bereits im Nationalpark unterwegs. Der Kermeter ist eines der größten geschlossenen Laubwaldgebiete im Rheinland und besonders Ende April /Anfang Mai, wenn das frische Grün der Buchen leuchtet, und im Herbst eine wahre Pracht! Das Waldgebiet ist das Herz des Nationalparks und bleibt, getreu dem Motto „Natur Natur sein lassen“, sich selbst überlassen. Wildkatze und Uhu sind hier zu Hause, wenngleich man sie als Wanderer wahrscheinlich nicht zu Gesicht bekommt. Überhaupt rate ich dir, früh aufzubrechen, um den Kermeter für dich alleine zu haben. Immerhin gehört er zu den Hotspots des Nationalparks. Auf keinen Fall solltest du den Aussichtspunkt Hirschley auslassen. Er bietet eine tolle Sicht auf den Rursee und belohnt für den langen, zähen Aufstieg.

>> GPS-Daten Etappe 1

Tag 2: Rurberg – Hetzingen (17,1 km // Komoot: +260/-330 Hm // Garmin: +329 /-410 Hm)

Auf den ersten 8 Kilometern geht es gemütlich am Rursee entlang, bevor ein steiler Aufstieg zur Hubertushöhe hoch führt. Auch von hier oben hat man wieder einen tollen Blick über den Rursee und auf den gegenüber liegenden Kermeter. Über die Eifelhöhen bei Schmidt geht es in den Schmidter Wald, wo wir dem Kalden- und Schliebach bis zur Rur in Hetzingen folgen.

>> GPS-Daten Etappe 2

Tag 3: Hetzingen – Heimbach (9,9 km // Komoot: +250/-210 Hm // Garmin: +285/-247 Hm)

Wir folgen dem Wildnistrail durch den Hetzinger Wald und befinden uns wieder im Nationalpark-Gebiet. Die Etappe endet in Heimbach wahlweise im Kaffee, in der Eisdiele oder am Bahnhof.

>>> GPS-Daten Etappe 3

Übernachten

Heimbacher Campingplatz: Man lässt sich wahlweise auf der großen, sonnigen Zeltwiese oder direkt am Ufer der Rur nieder. Lagerfeuer möglich. Vermietung von Holzhäusern.

In Heimbach gibt es noch zwei weitere Plätze, die allerdings etwas in die Jahre gekommen sind: Gut Wittscheidt und Camping Kohl (in Hasenfeld)

Rurberg: Camping Rursee. Sympathischer Platz am Rursee. Bei Wassersportlern beliebt. Vermietung von Schlaffässern.

Alternativ kann man auch die Zeltwiese von Natur bewegt Dich in Woffelsbach ansteuern.

Hetzingen: Campingplatz Hetzingen. Riesenplatz, vor allem für Dauercamper – aber eben nicht nur. Gastronomie direkt auf dem Platz. Vermietung von Schlaffässern.

Im Rurtal gibt es in Abenden und Blens weitere Campingplätze.

Verpflegung

Ist in der Eifel manchmal schwierig … Es gibt auf der ganzen Route nur in Heimbach einen Supermarkt!

Gastronomie findet man in Heimbach in Hülle und Fülle. In Rurberg sieht es dagegen mau aus. Am besten geht man in den Nachbarort Woffelsbach zum Woffelsbacher Imbiss (super selbst gemachte Pizza! Leider Freitags nur bis 19 und Samstags bis 20 Uhr geöffnet)  oder zum Yachtclub Rursee.

In Hetzingen gibt es direkt auf dem Campingplatz Hetzingen das Lokal Hetzinger Stüffgen.

Sehr zu empfehlen ist auch der Italiener Miracoli (unbedingt vorher reservieren).

Oder man steigt abends noch hoch in den kleinen Ort Nideggen, wo es mehrere Restaurants gibt.

Bus, Bahn, Schiff

Heimbach ist über Köln und Düren mit der Rurtalbahn gut zu erreichen. Auf dem Rursee verkehren von Ostern bis Ende Oktober die Boote der Rursee-Schifffahrt, die auch am Kermeter und in Rurberg Stopp machen.

Zum Kermeter fährt der Bus 231 nach Heimbach und Gemünd.

Nationalpark

Der Nationalpark Eifel wurde 2004 gegründet. Aktuell hat er den Status eines „Entwicklungs-Nationalparks“, das heißt, dass man ihm noch ein paar Jährchen Zeit gibt, um sich zu einer „echten“ Wildnis (zurück) zu entwickeln. Das Besondere am Nationalpark Eifel ist sicherlich, dass man hier ganz unterschiedliche Landschaften vorfindet. Neben ausgedehnten Wäldern und schattigen Bachtälern gibt es auch die für die Rureifel so typischen Hochflächen, wie zum Beispiel die Dreiborner Höhe.

Sie bildet, zusammen mit der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang, den Mittelpunkt des Nationalparks. Vogelsang war bis zur Gründung des Nationalparks Bestandteil eines belgischen Truppenübungsplatzes, der sich über die Dreiborner Höhe erstreckte. Da der Zutritt stark eingeschränkt war, konnte sich eine ganz besonders Flora und Fauna entwickeln. Berühmt sind zum Beispiel die Hirschrudel, die man hier gut während der Brunft im Oktober beobachten kann. Auf Vogelsang befinden sich das Besucherzentrum und Ausstellungen zur Vergangenheit des Ortes und zum Nationalpark. Hierfür würde ich auf jeden Fall einen Besuch einplanen. Dieses Gebiet liegt nicht auf unserer Route, aber von Rurberg aus kannst du einen schönen Tagesausflug machen: mit dem Ausflugsboot bis „Staumauer Urftsee“ und dann Aufstieg zur Dreiborner Höhe und nach Vogelsang.

Am Anfang unserer Tour befindet sich in Heimbach ein Nationalpark-Tor, das in seiner Ausstellung „Waldgeheimnisse“ die Besonderheiten der Buchenwälder zeigt. In Rurberg liegt ein weiteres Nationalpark-Tor auf unserer Route, das sich unter anderem den Fließ- und Stillgewässer widmet. An den Nationalpark-Toren und auf Vogelsang starten auch kostenlose Rangertouren.

Reisezeit

Seit der Gründung des Nationalparks zieht es Massen an Besuchern in die Nordeifel. An manchen Wochenende wird es auf dem Kermeter, auf Vogelsang und am Rur- und Urftsee ganz schön voll. Ich empfehle daher, die Stoßzeiten zu meiden und nach Möglichkeit wochentags oder in den Monaten April, September oder Oktober auf Tour zu gehen. Außerdem sehen die Buchenwälder natürlich im Frühling und Herbst am schönsten aus.

Ein weiterer Grund, die Eifel an den Sommerwochenenden zu meiden, sind die Horden von Motorradfahrern, die hier einfallen. Orte wie Heimbach und Rurberg leiden besonders unter der Lärmverschmutzung, aber auch der Nationalpark bleibt leider nicht verschont.

Wetter

Die vielen Bäche und Stauseen lassen schon vermuten, dass die Nordeifel ein recht niederschlagsreiches Gebiet ist. Wolken, die vom Atlantik kommen, treffen hier zum ersten Mal auf nennenswerte Erhebungen und regnen sich vor allem im Westen der Rureifel und im Hohen Venn ab. Die Niederschlagsmenge nimmt nach Osten hin ab. Nebel sammelt sich vor allem im Herbst in den Flusstälern. Ich habe die Eifel im Sommer als sehr schwülwarm kennen gelernt, wir hatten hier sogar Ende April schon Gewitter. Ein Jahr vorher zur gleichen Zeit aber Nachtfrost. Rechne wettermäßig mit allem und pack‘ auf jeden Fall Regensachen ein.

Literatur, Karten, Links

Für Anfänger geeignet?

Definitiv. Die Etappen und Höhenmeter sind gemäßigt. Die Ausschilderung ist tipptopp. Und im Notfall findet man immer noch einen Menschen. Diese Tour ist super geeignet, wenn du Trekking vor der Haustür einfach mal ausprobieren willst. Tatsächlich biete ich hier gelegentlich meine eigenen Trekking-Trainings an.

Weitere Touren in der Eifel

Buntsandsteinroute

Ebenfalls in der Rureifel gelegen und eine tolle Sach für’s Wochenende ist die Buntsandsteinroute.

Sie führt über ca. 40 Kilometer von Kreuzau zum Urftsee, entlang der Rur mit tollen Talblicken und einigen imposanten Felsformationen bei Nideggen. Im Rurtal gibt es genug Campingplätze, so dass man die Tour gut an 2 Tagen gehen kann.

Die Vulkaneifel

Auch in der Vulkaneifel kann man hevorragend mehrtägige Touren machen.

>>> Siehe hierzu meinen Blogartikel Trekking in der Eifel Teil 1: Vulkaneifel (Trekking auf Lieserpfad und Eifelsteig)

Podcast-Folge

An einem verregneten Abend saß ich in Heimbach im Zelt und dachte, ich könnte ja mal was zum Wandern in der Nordeifel erzählen:

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